Anreise nach Zermatt

Etwas später als ursprünglich geplant fahren wir mit dem Auto in die Schweiz. Das Wetter lässt wenig Hoffnung darauf, dass wir mehr als zwei bis drei Schönwettertage bekommen werden – und die auch noch direkt in den nächsten Tagen. Der Plan war: Wir fahren direkt nach Zermatt, steigen noch am selben Tag im Regen zum Arbenbiwak auf, klettern am ersten Schönwettertag den Arbengrat und überschreiten das Obergabelhorn. Am zweiten Schönwettertag soll's dann über den Rothorngrat aufs Zinalrothorn gehen. Soweit der Plan.

Zustieg zum Arbenbiwak

Wir starten klassisch mit dem Zug von Täsch und erreichen um 17:30 Uhr Zermatt. Die ersten paar Höhenmeter kürzen wir noch mit der Gondel ab. Bis zum Schwarzsee kommen wir allerdings nicht mehr und müssen bereits bei der Mittelstation aussteigen.

Los geht's mit dem 1400 Hm steilen Zustieg! Um dem prognostizierten Regen zu entkommen, starten wir im Speedmode Richtung Biwak. Etwa auf halber Strecke beginnt es leicht zu regnen und es wird richtig kalt. Gegen Ende muss ich etwas vorgehen, weil mir schon ziemlich fröstelt. Bei den letzten Leitern und Versicherungen sind meine Finger bereits ganz klamm.

Nach genau vier Stunden Zustieg erreiche ich noch im letzten Tageslicht das Biwak und beginne schon mal, Nudeln zu kochen. So leise wie nur möglich starte ich den Gaskocher, alle anderen im Biwak schlafen bereits. Kurz nach mir kommt auch Nick beim Biwak an. Wir einigen uns darauf, um 5:00 Uhr aufzustehen, da das Wetter erst ab etwa 7:00 Uhr besser werden soll.

Morgenstimmung am Grat Blick ins Tal
Ankunft in Zermatt.
Das Matterhorn versteckt sich in den Wolken.

Vom Arbenbiwak zur Rothornhütte

Um 5:00 Uhr läutet der Wecker. Draußen regnet es noch immer und auch sonst rührt sich im Biwak niemand. Wir beschließen, noch eine Stunde zu schlafen.

Um 6:00 Uhr klingelt der Wecker erneut. Es ist immer noch extrem windig, nass und neblig, und vor allem am Grat hängen nochn einige Nebelfetzen. Wir besprechen uns mit den anderen im Biwak und schnell wird klar, dass heute nur eine Partie einsteigen wird: ein Bergführer mit seiner Freundin, die die windgeschütztere Südwand gehen wollen.

Die Entscheidung ist gefallen. Wir steigen 700 Hm ab und queren Richtung Rothornhütte. Schließlich erreichen wir das Berggasthaus Trift, wo wir auf den Normalweg zur Rothornhütte treffen.

Blick zurück zum Arbenbiwak und den Arbengrat Pause beim Berggasthaus Trift
Perfektes Wetter am Grat – als wir allerdings schon im Abstieg sind.
Wir trocknen unsere Sachen, die noch vom Regen nass sind.

Wir machen Pause und trocknen unsere noch vom Regen nassen Sachen. 700 Hm später finden wir einen passenden Platz für ein Biwak. Da die Rothornhütte bereits ausgebucht ist, bleibt uns nichts anderes übrig, als zu biwakieren.

Wir gehen recht früh schlafen, da wir am nächsten Morgen um 3:00 Uhr aufstehen wollen. In der Nacht werden wir von einem Hubschrauber geweckt, der im Abstieg vom Obergabelhorn nach Bergsteigern sucht, die sich im felsigen Gelände verirrt haben. Am nächsten Tag erfahren wir, dass die beiden wohlauf waren und vom Hubschrauber sicher ins Tal gebracht wurden.

Biwak mit Blick auf die Dufourspitze
Biwak mit Blick auf die höchsten Gipfel der Schweiz.

Über den Rothorngrat

3:00 Uhr, der Wecker klingelt. Wir essen noch schnell ein Porridge und starten los. Kurz nach 4:00 Uhr erreichen wir die Rothornhütte und reihen uns ganz hinten ein. Wir sind wohl die Letzten.

Wir kommen recht schnell voran und überholen bald die ersten Seilschaften. Nach dem ersten Aufschwung ist der Fels noch ein wenig vereist und man muss etwas aufpassen. Danach ist der Weg aber wieder perfekt ausgetreten und wir brauchen bis zur Abzweigung zum Grat keine Steigeisen.

Zustieg Rothorngrat Zinalrothorn in Morgenstimmung
Als letzte Seilschaft starten wir von der Hütte los.
Hier steigen wir nach links in das Gletscherbecken ab. Tief genug queren!

Die meisten Seilschaften folgen weiter dem Normalweg, während wir in ein Gletscherbecken absteigen müssen. Zunächst folgen wir einem Steinmann, doch aus dem Gletscherbecken winkt uns eine Gruppe zu und macht uns darauf aufmerksam, dass wir zu hoch sind. Wir müssen etwas weiter unten auf den Gletscher queren.

Wieder auf dem richtigen Weg geht es ohne Probleme bis zum Einstieg des Grates. Zuerst klettert man noch durch eine Rinne hinauf ins Joch, bevor es dann wirklich am Grat losgeht.

Der Rothorngrat ist super abwechslungsreich und man klettert größtenteils direkt an der Gratkante. Fixe Sicherungen sind kaum vorhanden, dafür schluckt der Fels Friends und Keile perfekt. Den letzten Gendarm umgehen wir nordseitig und kurz darauf stehen wir bereits in der Gabel – jener Scharte, in der Normalweg und Rothorngrat zusammentreffen.

Hier sind plötzlich unendlich viele Seilschaften unterwegs. Die Seile kreuzen sich und die Stimmung ist entsprechend angespannt. Eine Zweierseilschaft, die als eine der ersten vom Gipfel zurückkommt, erzählt uns, dass weiter oben komplettes Chaos herrscht und man mindestens eine Stunde im eisigen Wind warten müsse.

Wir beschließen, die bis hierher perfekt gelaufene Tour nicht unbedingt noch mit dem Gipfel krönen zu müssen, und beginnen mit dem Abstieg. Wenig später, als wir das Abseilchaos hinter uns sehen, sind wir ziemlich froh über diese Entscheidung. Zusammen mit der vorherigen Seilschaft seilen wir zügig ab und schaffen es schnell aus der Abseilrinne heraus.

Bergpanorama vom Rothorngrat
Matterhorn, Obergabelhorn und Dent Blanche.
Rothorngrat Zinalrothorn Hochtour
Nick am Rothorngrat.

Abstieg

Als wir das Schneefeld erreichen, bei dem wir im Zustieg vom Normalweg abgezweigt sind, ist der Schnee bereits richtig weich und wir sind froh, nicht noch später abzusteigen.

Bei der Rothornhütte angekommen, trinken wir noch schnell eine Cola, bevor wir uns dem gefühlt endlos langen Abstieg ins Tal stellen. Beim Biwakplatz wird noch schnell die restliche Ausrüstung zusammengepackt und weiter geht's.

Nach 15:30 Stunden erreichen wir um 19:00 Uhr den Bahnhof in Zermatt. In Täsch kaufen wir noch Bier und Pesto. Am Campingplatz angekommen, treffen wir Luca und Kili, die gerade von der Dufourspitze zurückgekommen sind.

Fazit

Wieder einmal eine perfekte Wallis-Gneis-Tour, die zu Recht als Klassiker gilt. Der Rothorngrat bietet abwechslungsreiche Kletterei, lässt sich perfekt absichern und ist stellenweise richtig schön ausgesetzt und luftig.

Wir waren ziemlich happy mit unserer Entscheidung, nicht mehr auf den Gipfel zu gehen. So blieb am Ende auch kein bitterer Nachgeschmack. Es war anscheinend der erste Tag seit einer Woche, an dem die Bedingungen eine Besteigung zuließen. Das dürfte wohl auch der Grund für die Menschenmassen gewesen sein, die wir zum Glück erst in der Gabel zu Gesicht bekamen.

Material

  • klassische Hochtourenausrüstung
  • 60 m Seil (40 m sollten reichen)
  • BD Friends 0.3–1
  • Keile
  • 6 Alpinexen