Lenzspitze–Nadelhorn Überschreitung

Nachdem wir uns nach den zwei Ruhetagen wieder regeneriert hatten und klar war, dass Lucas Knie eine weitere Tour durchstehen würde, war unser neues Ziel klar: die Gratüberschreitung von Lenzspitze und Nadelhorn. Die Wetterprognose war perfekt und zum Glück hatte die Mischabelhütte noch zwei Plätze für uns frei.

Zustieg zur Mischabelhütte

Wir starten den Zustieg vom Parkplatz in Saas-Almagell mit den Rädern, um uns insgesamt 50 € an Parkgebühr zu sparen. Der Zustieg mit ca. 1.400 hm und 5 km war zach. Der durchwegs schöne Ausblick aufs Allalinhorn und den Alphubel und später die Seilsversicherungen im oberen Bereich ließen die Höhenmeter aber wie im Flug vergehen. Nach genau drei Stunden erreichten wir die Hütte.

Nachdem wir beim Zustieg und auf der Hütte eine kurze Umfrage gestartet hatten, war klar, dass am nächsten Tag mindestens 15 Seilschaften die Überschreitung geplant hatten.

Berglandschaft
Blick auf Allalinhorn und Alphubel.

Von der Mischabelhütte zum Ostgrat

Um einem Stau am Grat zu entgehen, klingelt der Wecker bereits um 2:00 Uhr. Kurz vor 3:00 Uhr treten wir unter sternenklarem Himmel als dritte Partie aus der Hütte. Nach nur kurzer Zeit haben wir uns dann an die Poleposition vorgearbeitet. Trotz des kalten Windes, der vom Windjoch herzieht, erreichen wir schnell den Einstieg und hinter einem windgeschützten Stein machen wir kurz Halt, um uns kletterready zu machen. Wir lassen noch einen netten Bergführer mit seiner Kundin vorbei, um im Dunkeln nicht allzu viel nach dem Weg suchen zu müssen.

Über den Ostgrat auf die Lenzspitze

Den unteren Teil bis zum ersten Aufschwung klettern wir seilfrei, ab dort alles am laufenden Seil. Im Dunkeln vergehen die ersten paar 100 hm recht schnell und auch der Wind lässt langsam nach.

Bei Abseilpassagen lässt mich Luca ab und setze ihm, wenn nötig, ein paar Zwischensicherungen. So kann er entspannt abklettern und wir sparen uns das Ausbinden aus dem Seil und somit recht viel Zeit.

Morgenstimmung am Grat Blick ins Tal
Am Ostgrat der Lenzspitze.

Der durchwegs feste Fels bietet perfektes Klettergelände und es macht richtig Spaß. Mit den ersten Sonnenstrahlen merkt man auch, wie ausgesetzt es bereits ist. Dann erreichen wir schon das Schneefeld kurz unter der Lenzspitze. Kurze Pause, Steigeisen anziehen und ohne Seil geht es weiter. Hier überholen wir wieder den Bergführer und etwas später erreichen wir nach ca. vier Stunden Kletterei den ersten Gipfel.

Berglandschaft
Im Hintergrund die Gratüberschreitung zum Nadelhorn.

Überschreitung zum Nadelhorn

Auf der Lenzspitze blicken wir nur kurz rüber zum Dom und beobachten die Karawanen die von Westen über den Normalweg unterwegs sind. Vom Gipfel aus sieht man auch gut den Grat zum Nadelhorn, der laut Tourenbeschreibung noch schöner als der erste Grat sein soll. Wieder klettern wir den ersten Abschnitt seilfrei, da es leichte Kletterei in wenig ausgesetzten Gelände ist. Bald stellen sich uns jedoch einige Gendarmen in den Weg und wir seilen wieder an. Tatsächlich ist dieser Gratabschnitt noch schöner als der erste und es macht wieder richtig Spaß, unter anderem weil die Sonne uns wärmt und wir immer noch recht flott voran kommen. Auf den Chendarmen befinden sich Eisenstangen auf denen wir unsere Abseilen und Abklettern Taktik anwenden können.

Morgenstimmung am Grat Blick ins Tal
Der Gneis bietet perfekte Klettergriffe, auch in den steileren Passagen.

Abstieg

Obwohl von der Lenzspitze, das Nadelhorn zum Greifen nahe aussieht, brauchten wir weitere 2 Stunden. Um punkt 9:00 Uhr erreichen wir den Gipfel als erste Seilschaft an diesem Tag. Der Wind bläst wieder ordentlich und wir versuchen noch hinter einem Felsvorsprung kurz Energie zu tanken bevor wir den 3000 hm langen Abstieg beginnen. Zitat aus einem anderen Blog, der die Länge des Abstiegs hervor heben soll: "Before starting the decent, take a breath and enjoy the view, and then take some painkillers". Der Erste Teil über den Schneegrat spazieren wir problemlos bis zum Windjoch, dass dieses Jahr von der Hitze komplett blank ist. Wir seilen an und steigen in Falllinie den Gletscher ab um so dem Steinschlag weiter rechts zu entgehen. Wäre die Eisflanke nur 5° steiler, müsste man hier wahrscheinlich im Eis abseilen. Nachdem wir im Gletscherbecken angekommen waren muss man dies einmal queren, wobei hier besonders Vorsicht geboten ist, da die Gletscherspalten parallel zur Spur führen. Wir waren sehr froh, dass wir noch recht früh dran waren und der Schnee noch einigermaßen stabil war.

Morgenstimmung am Grat Blick ins Tal
Am Schneekamm im Abstieg Richtung Windjoch. Rechts im Hintergrund sieht man das Blankeis.
Das Gletscherbecken mit den Querspalten. Im Hintergrund der Ostgrat der Lenzspitze

Bald darauf erreichen wir wieder die Hütte, packen unser restliches Zeug zusammen und machen uns auf ins Tal. Luca findet noch eine super Abkürzung die uns einen Gegenanstieg erspart und nach 11 Stunden erreichen wir wieder die Räder bei der Talstation in Saas-Fee. Mit den Rädern geht's als erstes zum Supermarkt für Cola und Eis und dann zurück ins Tal zum Auto.

Fazit

Was für ein Abschluss! Wer hätte damit gerechnet, dass wir noch so eine große Tour schaffen. Definitiv einer eine extrem lohnende Tour! Besonders der Übergang von der Lenzspitze zum Nadelhorn hat mit festem Fels und ausgesetzter Kletterei richtig Spaß gemacht. Kletter-technisch war die Tour nie extrem schwierig, trotzdem sollte man vor allem das Seilhandling am Grat unter Kontrolle haben. Außerdem ist die Tour mit den 2500-Höhenmeter-Abstieg nicht zu unterschätzen. Dass wir früh gestartet sind und beide Grate bei perfektem Wetter praktisch für uns alleine hatten, war natürlich grandios.

Material

  • klassische Hochtourenausrüstung
  • 40m Seil
  • 0.4-2 BD Friends (nr. 2 kaum verwendet)
  • Keile (nie verwendet)
  • 4 Alpinexen