Der Plan
Eigentlich war der Plan, dass wir mit der Jungmannschaft vom AV Innsbruck eine Zweitagestour auf die Wildspitze machen. Jedoch gab es eigentlich noch keinen konkreten Plan und die Lawinensituation in ganz Tirol machte das Planen nicht leichter. Magda schlug dann noch vor, einen Tag früher zu starten, für alle jene, die schon Zeit haben. Das machte die Planung noch komplizierter, da wir die Gruppe nicht auseinanderreißen wollten. Die grobe Idee war also, dass wir vom Kaunertal aus aufs Brandenburgerhaus aufsteigen und am nächsten Tag die restliche Gruppe bei der Breslauerhütte oder beim Taschachhaus treffen. Geklärt war aber immer noch nicht, welche Route bei Lawinenwarnstufe 3 überhaupt vertretbar ist. Schlussendlich entschieden wir uns, mit dem Bus ins Kaunertal zu fahren, von dort über den Gepatschferner zur Rauhekopfhütte aufzusteigen und am Gletscher dann weiter zum Brandenburgerhaus zu gehen. Wir haben davor klar kommuniziert, dass es ein Versuch ist und wir bezüglich der Lawinensituation flexibel bleiben müssen.
Zustieg zum Brandenburgerhaus
Magda, Luca, Maxi und ich starten am Mittwoch um kurz vor 07:00 Uhr in Innsbruck. Zwei Stunden später steigen wir aus dem vollen Skibus aus und schnallen unsere Ski an. Am Anfang geht es noch recht flach das Tal hinein, aber trotzdem recht lawinengefährdet, da über dem Talboden gewaltig steile Hänge sind. Wir gehen also zügig weiter und erreichen dann nach ca. einer Stunde den Gepatschferner, wo wir noch kurz Pause in einer Gletscherhöhle machen und uns anseilen. Danach geht es weiter Richtung Rauhekopfhütte, wir seilen wieder ab und suchen uns einen Weg durch den stein- und felsdurchsetzten Rücken, der zur Hütte führt.
Ein, zwei heikle Stellen später sind wir dann auch schon bei der Rauhekopfhütte angekommen. Eine urige, kleine Hütte, die zwar keinen Winterraum hat, dafür aber im Winter komplett offen steht und man die ganze Hütte betreten kann. Wir machen noch einmal kurz Pause und bestaunen von oben den Gletscherbruch unten im Tal. Weiter geht's! Wir queren wieder zum Gletscher, bevor ein endlos langer Gletscherhatscher folgt. Langsam merkt man auch die Höhe, wir sind mittlerweile knapp auf 3000 m. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir dann endlich das Brandenburgerhaus. Die letzten Meter zur Hütte waren noch einmal richtig anstrengend, da wir die Ski tragen mussten. Wir quartieren uns im Winterraum ein. Magda und Maxi gehen noch schnell auf den Gipfel der Dahmannspitze hinter der Hütte. Luca und ich kümmern uns ums Feuermachen und Schneeschmelzen und sind begeistert, dass die zwei Heizkörper an den Tischherd angeschlossen sind und es im Winterraum plötzlich richtig warm wird. Am Nachmittag kommt noch eine Zweiergruppe dazu, mit der wir am Abend zusammen kochen und Luca etwas Material bekommt, um seinen verlorenen Skistockteller zu ersetzen. Wir essen, quatschen und gehen dann früh schlafen, da wir am nächsten Tag früh raus müssen.
Brandenburgerhaus – Wildspitze
In der Früh sehen wir erst die Nachricht der anderen, die uns mitteilten, dass sie doch nicht Richtung Wildspitze unterwegs sind, sondern sich entschieden haben, zur Winnebachseehütte im Ötztal zu gehen. Kurze Diskussion, wir gehen also direkt auf die Wildspitze und schauen dann weiter ...
Wir starten recht schnell Richtung Fluchtkogel los, damit uns warm wird. Der Schnee ist hart gepresst und am Gletscher hört man ständig „Whumpf-Geräusche“, die uns immer wieder daran erinnern, dass wir in der Abfahrt sehr vorsichtig sein sollten. Vom Fluchtkogel beobachten wir die Karawanen an Seilschaften, die sich von der Vernagthütte alle Richtung Wildspitze bewegen. Zum Glück liegen wir weit zurück und es besteht keine Gefahr, dass wir in der nächsten Zeit aufschließen und in einen Stau geraten sollten. Die erste Scharte, die wir vom Fluchtkogel abfahren, war gut verspurt und hart windgepresst, so können wir sie ohne große Sorge einzeln abfahren. Wer hätte es gedacht, unten wartet dann tatsächlich ein perfekter Powderhang auf uns.
Wir fahren bis zur Vernagthütte ab und machen dort eine kurze Jausenpause und trinken ein Cola. Es folgt mal wieder ein Gletscherhatscher und die Sonne brennt uns auf den Schädel. Wir queren den Vernagtferner und peilen das Brochkogeljoch an. In vielen kleinen Spitzkehren geht's dann doch schneller als gedacht. Nur die letzten paar Meter muss man die Ski ins Joch tragen, was bei dem sulzigen Schnee doch sehr anstrengen ist. Eine Stunde später erreichen wir das Skidepot, schnallen uns die Steigeisen an und steigen Richtung höchsten Gipfel Tirols auf. Wir beobachten eine Gruppe, die über die Südwand abfährt. Das wäre eine Traumabfahrt, aber wir haben uns schon vorher für die Nordabfahrt ins Pitztal entschieden und niemand von uns vier kennt die Abfahrtsroute durch die Südwand. Also geht's rauf bis zum Gipfel. Schnell noch ein Foto gemacht und dann wieder retour zum Depot.
Abfahrt ins Pitztal
Kurz checken, wann der nächste Skibus vom Pitztal nach Ötztal-Bahnhof fährt und plötzlich Stress! Der letzte Bus fährt in einer Stunde und wir müssen noch knappe 2000 Hm abfahren. In der Abfahrt, die durchwegs etwas steiler sein dürfte, finden wir trotzdem noch ein bisschen unverspurten Schnee! Am Ende geht's durchs nicht enden wollende Taschachtal bis zur Talstation des Pitztaler Gletschers. Wir schaffen's grad noch mit den Touristenmassen in den Bus und sind doch alle etwas erschöpfter als gedacht. Von Ötztal-Bahnhof geht's dann mit dem Zug wieder zurück nach Innsbruck. Zwei perfekte Tourentage gehen zu Ende.
Fazit
Eine super coole Alternative zu den klassischen Skitouren auf die Wildspitze. Von der Abfahrt vom Fluchtkogel zur Vernagthütte waren wir alle überrascht von den perfekten Skihängen. Auch wenn schlussendlich alles super verlaufen ist, hat diese Route zwei, drei Knackpunkte, die man auf jeden Fall beachten sollte, und wegen welchen man flexibel bleiben muss. Der steile Zustieg zur Rauhekopfhütte, die Abfahrt zur Vernagthütte durch das Obere Guslarjoch und der Aufstieg ins Brochkogeljoch sind alles Passagen, die man nicht unterschätzen sollte. Uns waren diese Passagen im Vorhinein bewusst und wir haben uns auch darauf eingestellt gehabt, dass wir evtl. schon am ersten Tag umdrehen müssen.
Material
- klassische Skitourenausrüstung
- klassische Hochtourenausrüstung
- Gaskocher als Backup für den Winterraum
- Hüttenschlafsack